Eindrucksvolles Pop-Oratorium
Chormusical „7 Worte vom Kreuz“ begeisterte in Lemgo
Rund 700 Chorsängerinnen und -sänger im Alter von sieben bis 86 Jahre aus der Region gestalteten mit professionellen Solisten, Musicaldarstellern sowie Orchester und Band ein imposantes Bühnenwerk. Der Abend verwob Musik, Theologie und modernes Erzählen zur dichten Inszenierung. Partner des Musical-Projekts der Stiftung Creative Kirche (Witten) für die Aufführung in Lemgo waren die Lippische Landeskirche, der Pastoralverbund Lippe-Detmold und das Erzbistum Paderborn.
Im Zentrum standen die sieben letzten Worte Jesu am Kreuz wie „Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ bis hin zu „In deine Hände lege ich meinen Geist.“ Seit Jahrhunderten bewegen sie Theologen, Künstler und Komponisten. Frey greift die Tradition auf, führt sie jedoch konsequent in die Gegenwart. Zwischen den musikalischen Passagen entfaltet sich die aktuelle Geschichte der Figuren Marie und Ben, dargestellt von Kathleen Bauer und Dominik Doll, die ausdrucksstark agierten. Beide geraten zufällig in die Aufführung und sehen sich plötzlich mit den großen Fragen des Lebens konfrontiert: Schuld, Verlust, Einsamkeit und dem Durst nach Lebenssinn.
Ein riesiges weißes Kreuz auf der Bühne dient als Projektionsfläche. Das ausgeklügelte Lichtdesign von David Bernecker taucht die Bühne eindrucksvoll in verschiedene Stimmungsbilder.
Der Hauptakteur ist der riesige Chor, der unter dem Dirigat der regionalen Chorleiter Gregor Schwarz und Peter Stolle in bester Textverständlichkeit und klanglicher Transparenz ins Licht trat. Eingängige, teils bewusst einfach gehaltene Melodien ermöglichen es auch Laiensängern, Teil des Großprojekts zu werden. Szenische Symbolhandlungen oder Regengeräusche der Choristen erzielten effektvolle Wirkungen.
Unterstützt wurde die Handlungsebene durch ein hochkarätiges Solistenensemble. Sopranistin Katharina Stahl und Altistin Yasmina Hunzinger verliehen den zentralen Passagen emotionale Tiefe, während Tenor Claus-Peter Eberwein und Bassist Michael Janz das klangliche Fundament bildeten. Gemeinsam trugen sie die theologischen Aussagen des Werkes eindrucksvoll in die Arena.
Für Frey sind die sieben Worte Jesu Quintessenz seiner Botschaft. Er deutet sie als Antwort auf die Rastlosigkeit der modernen Gesellschaft. Dem setzt er die Einladung entgegen, innere Ruhe und Orientierung bei Gott zu suchen, der den Menschen in seiner Unvollkommenheit annimmt und mit ihm in ein neues Leben aufbricht.
Der dramaturgische Höhepunkt liegt nicht im Tod Jesu. Vielmehr öffnet das Finale den Blick auf eine „neue Welt“ und öffnet die Perspektive der Auferstehung, in der Hoffnung, Versöhnung und Liebe stärker sind sowie Leid und Tod überwinden.
30.03.2026
